Cartoons erstellen mit Pencil
"Pencil" ist eine kostenlose Animations-/Zeichen-Software. Mit dem Tool lassen sich traditionelle, handgezeichnete Cartoons erstellen.
1. Erste Schritte
„Pencil“ funktioniert zunächst wie ein ganz normales Zeichenprogramm, wie zum Beispiel Paint. Allerdings kannst du bei Pencil auf unterschiedlichen Ebenen arbeiten. Es stehen vier Ebenen zur Verfügung: Bitmap-Bilder, Vektor-Bilder, Ton und Kamera. Am unteren Bildschirmrand findest du eine Zeitleiste. Hier werden die bestehenden Ebenen (im Progamm werden sie „Layers“ genannt) angezeigt. Über die kleinen Plus- und Minuszeichen neben „Layer“ kannst du so viele Ebenen wie du willst hinzufügen und wieder löschen.

Für jede Ebene wird eine eigene neue Spur in der Zeitleiste angefügt. Auf einer Spur kannst du mehrere Bilder hintereinander malen. Das funktioniert über das Einfügen von so genannten Keys (das sind die kleinen grauen Rechtecke). Keys hinzuzufügen oder zu löschen, funktioniert genauso wie bei den Ebenen über die kleinen Plus- und Minuszeichen, diesmal musst du nur neben “Keys“ klicken. Wenn du an einer bestimmten Stelle der Spur einen Key hinzugefügt hast, kannst du hier ein neues Bild malen. Jeder Key steht also für ein neues Bild. Der Ablauf dieser Bilder erzeugt dann eine Animation.
Die Spur ist also in viele kleine Abschnitte unterteil. Ein einzelner Abschnitt, an dem jeweils ein Ebenentyp übereinander liegt, nennt man Frame. Welcher Frame gerade anzeigt wird, siehst du an der roten Markierung. Du kannst dieser Markierung in der Zeitleiste hin und her schieben und dich so durch deine Animation bewegen.

2. Ebenen erstellen
Zunächst wählst du aus, welche Ebenen neu erstellt werden sollen. Dazu klickst du einfach auf das Pluszeichen neben “Layer” und wählst aus der Liste aus. Die neuen Ebenen erscheinen links in der Zeitleiste. Du kannst ihre Reihenfolge ändern, indem du die einfach mit der Maus verschiebst. Die Reihenfolge spielt deswegen eine Rolle, weil sie beeinfluss wie die Bildebenen anzeigt werden: Die Ebenen, die an oberster Stelle der Reihenfolge in der Leiste stehen, werden auch als oberstes im Bildfeld angezeigt.
Standardmäßig wird die oberste Ebene undurchsichtig angezeigt, alle anderen Bildebenen halb-durchsichtig. Wenn du möchtest, dass alle Ebenen die volle Deckkraft haben, klick auf das kleine Kreissymbol über den Ebenen. Sie werden alle mit einem schwarzen Punkt markiert und sind jetzt alle undurchsichtig sichtbar. Über diesen Weg können Ebenen auch deaktiviert werden. Ist der kleine Kreis neben der Ebene schwarz, ist die Ebene aktiviert. Um sie zu deaktivieren, klickst du einfach auf den Kreis neben der Ebene - der Punkt wird durchsichtig. Über einen Doppelklick auf eine einzelne Ebene kannst du dir außerdem ihre Eigenschaften anzeigen lassen.
3. Zeichnen
Die Hauptfunktion, die Pencil bietet, ist das Zeichnen. Das Programm kann auch einfach als bloßes Mal-Tool, wie beispielsweise Paint, verwendet werden. Zum Zeichnen stehen unterschiedliche Werkzeuge bereit. Du findest sie in der oberen linken Bildhälfte. Die meisten wirst du von anderen Mal-Programmen kennen, etwa den Pinsel, den Bleistift, eine Sprühdose oder den Radiergummi. Die Größe, die Farbe und andere Einstellungen können für jedes Werkzeug in der Eigenschaften-Pallette (Options) eingestellt werden. Die Einstellungen gelten jeweils für das Werkzeug, das gerade ausgewählt ist.
Du kannst nun ein Bild in einer der Bildebenen malen. Normalerweise ist beim Öffnen des Programms als erstes eine Bitmap-Bild-Ebene automatisch ausgewählt. Wenn du also einfach im Hauptfenster (der weißen Bildfläche) malst, entsteht dein Bild in dieser Ebene. Neben der Bitmap-Ebene gibt es noch die Vektor-Ebene. Auch auf dieser Ebene kannst du malen und die selben Werkzeuge dazu benutzen. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: All deine Zeichnungen werden in geometrische Formen umgewandelt.
Wann benutzte ich welche Ebene zum Zeichnen? Es bietet sich an, auf der Bitmap-Ebene die Dinge zu zeichnen, die sich in einer Animation nicht großartig verändern, zum Beispiel Hintergründe. Der Vorteil der Vektor-Ebene ist, dass deine Zeichnungen bei Bewegungen, oder beim Zommen, nicht pixelig werden. So sind Vektor-Bilder ideal für Figuren in einer Animation. Außerdem kannst du auf der Bitmap-Ebene zum Beispiel mit dem Bleistift-Werkzeug etwas vorskizzieren, was du dann auf der Vektor-Ebene mit dem Füller-Werkzeug nachzeichnest.

Wenn du auf einer Vektor-Ebene malst, erkennt das Programm die einzelnen Linien. Deswegen hast du auf dieser Ebene die Möglichkeit, über das Werkzeug, das wie ein Finger aussieht, einzelne Stücke deiner Zeichnung zu verschieben. Wenn du das Fingerwerkzeug angewählt hast, kannst du an eine Stelle deiner Zeichnung klicken und es entstehen an den Rändern kleine Quadrate, die den Umriss markieren. Jetzt kannst du deine Zeichnung „anfassen“ und an diesen kleinen Punkten die Linien bewegen.

Besonders praktisch ist die Funktion, wenn deine Animation grundsätzlich immer das selbe Bild zeigen soll, sich nur von Bild zu Bild eine Kleinigkeit verändert. Dann kannst du in deinem ersten Key deine Zeichnung markieren (über das Werkzeug, das wie ein Viereck aussieht), kopieren, und in dem nächsten Key einfügen. Ändere eine Kleinigkeit, kopier deine Zeichnung wieder, und füge sie im nächsten Key ein. Jetzt kannst du sie wieder verändern, und so weiter. Wenn du die Bilder nun hintereinander abspielst hast du einen tollen Animationseffekt.

Um deine Zeichnung farbig zu machen benutzt du das Farbeimer-Werkzeug. Die Farbe kannst du aus der Liste im rechten Bildschirmrand aussuchen. Über das Pluszeichen kannst du der Palette noch neue Farben hinzufügen. Wenn du eine Farbe ausgesucht hast klick mit dem Farbeimer in das Feld, das du einfärben willst. Achte darauf, dass keine Lücke in der Zeichnung ist. Wenn du möchtest, dass deine Zeichnung noch mehr Tiefe aufweist, kannst du ihr noch Schatten hinzufügen. Dafür benutzt du das Bleistift-Werkzeug. Wenn du es in der Vektor-Ebene benutzt, malst du damit eine gestrichelte Linie, die später nicht in der Animation erscheint. Über diese Linien kannst du die Umrisse des Schatten zeichnen und diese Flächen mit einer Farbe im dunkleren Farbton füllen. Um die Umrisse zu verstecken, klick auf den mittlerern Button über den Ebenen.

4. Zeichnungen animieren
Eine Animation musst du dir wie ein Daumenkino vorstellen. Einzelne Bilder werden schnell hintereinander abgespielt, so dass der Eindruck einer Bewegung entsteht. In dem Programm sind die einzelnen Bilder die einzelnen Keys (die grauen Kästchen) unten in der Zeitleiste.
Wenn du dich von links nach rechts durch eine Spur klickst, werden die Bilder die du gemalt hast, hintereinander angezeigt. So bekommst du schon mal einen Vorgeschmack, wie deine Animation aussieht. Deine Einzelbilder (Keys) kannst du jetzt noch in der Reihenfolge verändern, oder zum Beispiel ihren Abstand vergrößern. Dazu kannst du einfach einen Key anklicken und mit der Maus dahin verschieben, wo er hin soll.
Um deine Animation noch weiter aufzuhübschen, kannst du ihr noch eine Kamera- und eine Soundebene hinzufügen. Eine Kamera-Ebene erlaubt es dir, einen bestimmten Blickwinkel auf deine Zeichnung festzuhalten. Deine Zeichnung bekommt sozusagen einen festgelegten Rahmen. Du kannst sogar für jeden Key einen eigenen Kamerawinkel definieren. Hierzu legt zu mit dem Pluszeichen neben “Layer” eine Kamera-Ebene an, bewegst die rote Markierung zu dem gewünschten Frame und benutzt das Hand-Werkzeugt um den gewünschten Blickwinkel einzustellen. Über eine Sound-Ebene kannst du deiner Animation noch Sounds hinzufügen. Hierzu legt zu auch wieder mit dem Pluszeichen neben “Layer” eine Sound-Ebene an. Über "Import sound..." kannst du eine Sound-Datei in das Programm laden. Beachte dabei, dass das Progamm nur Dateien im WAV-Format unterstützt.
5. Letzte Schritte
Um die Animation abzuspielen, benutzt du die Play-Schaltfäche, die du rechts oben an der Zeitleiste findest. Hier kannst du die Animation auch in einer Schleife abspielen lassen, so dass sie sich endlos wiederholt, und die Anzahl der Frames pro Sekunde festlegen.
Dein Ergebnis kannst du in einem speziellen XML-Format abspeichern. Dann liegen alle einzelnen Bitmap-Bilder in einem Ordner. Oder du exportierst deine Animation als eine Serie von PNG-Bildern, als Flash-Movie oder als QuickTime-Movie. Du musst dabei beachten, dass immer der aktuelle Blickwinkel exportiert wird – wenn deine Animation eine Kameraperspektive beinhaltet, kann entweder die Arbeitsansicht oder die Kameraperspektive angezeigt werden. In der Ansicht, die gerade ausgewählt ist, wird die Animation exportiert.
Facts & Download
Pencil ist entwickelt von Pascal Naidon und Patrick Corrieri
Funktionen:
* Zeichnen von Bitmap- und Vektor-Bildern
* Erstellen von Animationen / Cartoons
* Import von Sounds
Softwareart: Freeware
Den kostenlosen Download findest du hier:
www.les-stooges.org/pascal/pencil




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